Geben wir es gleich zu Beginn zu: Nothing Ear sieht gut aus. Das durchsichtige Case ist wie ein kleines Kunstobjekt, das man auf dem Cafétisch zur Bewunderung aller liegen lassen kann. Wenn die Hauptaufgabe Ihrer Kopfhörer darin besteht, auf Instagram-Fotos cool auszusehen, gewinnt Nothing. Aber wenn Sie damit auch Musik hören möchten, sollten Sie weiterlesen.
Wie klingen sie?
Hier kommen wir zum Kern der Sache. Nothing Ear klingt ganz ok. Nicht schlecht, nicht peinlich, aber auch nicht so, dass Sie mitten in allem innehalten und sich fragen, was gerade in Ihren Ohren passiert ist.
Der Klang des NL25 trägt die Handschrift von Jasse Kesti. Jasse ist der Mann, dessen Ohren versichert sind und der seine Tage damit verbringt, denselben Song hunderte Male zu hören, bis jede Frequenz perfekt sitzt. Nothing verwendet ein generisches Werks-Tuning. Den Unterschied hört man.
In der Praxis gibt der NL25 den Bass präzise und kontrolliert wieder, anstatt einfach irgendeinen tieffrequenten Brei in Ihren Gehörgang zu drücken. Der Mittenbereich ist klar. Die Stimme des Sängers klingt wie ein Mensch, nicht wie eine Telefonleitung.
Der Codec-Unterschied ist real
Der NL25 unterstützt aptX Adaptive über Bluetooth 5.4. Nothing Ear läuft mit SBC und AAC. Das ist ein bisschen wie DVD mit Blu-ray zu vergleichen. Beides funktioniert, aber eines ist deutlich präziser. Für Android-Nutzer ist der Unterschied erheblich.
Für iPhone-Nutzer schrumpft der Codec-Unterschied, da Apple ohnehin nur AAC unterstützt. Der Ehrlichkeit halber muss das gesagt werden.
ANC und andere Features
Beide haben ANC. Keiner von beiden ist Klassenbester bei der Geräuschunterdrückung – bei In-Ears ist ANC immer ein Kompromiss mit der Abdichtung des Gehörgangs. Die Memory-Foam-Aufsätze des NL25 isolieren passiv besser als die Silikontips von Nothing, was dem ANC hilft, seine Arbeit zu erledigen.
Der NL25 hat kabelloses Laden für das Case. Nothing Ear ebenfalls. Hier steht es unentschieden.
Akkulaufzeit: Der NL25 liefert 4,5 Stunden mit ANC, 6 Stunden ohne. Nothing verspricht etwas mehr. Punkt für Nothing, wobei in der Praxis beide den Arbeitsweg und die Joggingrunde durchhalten.
Design und Reparierbarkeit
Das durchsichtige Design von Nothing ist unverwechselbar. Es ist eine Markenidentität für sich. Der NL25 wurde von Jussi Timonen gestaltet, und das Ergebnis ist zurückhaltender, fühlt sich aber hochwertig an. Das ist Geschmackssache, und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Oder doch, aber es ist sinnlos.
Aber dann der wesentliche Unterschied: Wenn der NL25 kaputtgeht – und alle Elektronik geht irgendwann kaputt – reparieren wir ihn in Kajaani. Mit Nothing-Kopfhörern können Sie sich an London wenden und das Beste hoffen. Oder neue kaufen. Valco hat einen eigenen Reparaturservice, weil wir daran glauben, dass Kopfhörer nicht nach anderthalb Jahren in den Müll gehören.
Für wen ist Nothing die richtige Wahl?
Bitte sehr, kaufen Sie Nothing Ear, wenn:
- Design Ihnen wichtiger ist als Klangqualität. Daran ist nichts Verwerfliches.
- Sie ein iPhone nutzen und nicht kritisch hören. Dann schrumpft der Codec-Unterschied.
- Sie genau diesen durchsichtigen Look wollen. Den bieten wir nicht an, und das haben wir auch nicht vor.
- Das Budget knapp ist und Sie Nothing Ear mit einem guten Rabatt finden.
Nothing macht ein durchaus ordentliches Produkt. Es wurde nur nicht mit dem Klang als oberster Priorität entwickelt.
Fazit
Nothing Ear: Sieht auf dem Cafétisch am besten aus. Der Klang ist ok. ANC ist ok. Alles ist ok. Ok ist Nothings ganzes Ding.
Valco NL25: Von Jasse abgestimmter Klang, aptX Adaptive, Memory-Foam-Isolierung, Reparierbarkeit und 24 Monate Garantie, hinter der ein echter finnischer Reparaturservice steht. Das Design trägt Jussi Timonens Handschrift – ebenfalls stilvoll, auch wenn man nicht durchsehen kann.
Wenn Kopfhörer für Sie in erster Linie ein Accessoire sind, ist Nothing eine gute Wahl. Wenn sie in erster Linie Kopfhörer sind, gewinnt der NL25 dort, wo es zählt.
Und jeder NL25-Kauf bringt uns einen Schritt näher an den Todesstern. Henris Alfa Romeo wird ihn allerdings nie finanzieren – dieses Auto frisst Geld schneller, als es welches einbringt.
